Ein Großstadtmärchen

FIGURENTHEATER: Yvette Coetzee bei Zeitraum-Exit

Zeitung

Mannheimer Morgen

Von unserem Mitarbeiter Ralf-Carl Langhals

In Mannheim gibt es keine U-Bahn; doch auch in der Straßenbahn können uns die merkwürdigsten Menschen begegnen. Täglich begeben wir uns auf die Reise über Brücken und Plätze und treffen dabei auf die merkwürdigsten Artgenossen. Haben Sie schon einmal die Parkhaustreppen oder die Pflastersteine von der Garageneinfahrt bis zur Haustür, von der Bushaltestelle zum Bäcker gezählt? Wenn ja, dann haben Sie sicher auch Sinn für "Die Wahl der fantastischen Möglichkeiten", die Yvette Coetzee in ihrem Figurentheater-Monolog bei Zeitraum-Exit reichlich wahrnimmt.

Ihre "Wunder der Prärie" ereignen sich in Berlin, wo die südafrikanische Künstlerin lebt und zu wunderlichen Fantasiereisen inspiriert wird. Mit tragender Stimme und bester Bühnendiktion stolpert die schauspielende Künstlerin nicht nur charmant über Dativ und Akkusativ, sondern auch über die Frau, die ein Aquarium ist, den Mann, der Angst vor kleinen Vögeln hat und Anna, die mit dem Anrufbeantworter spricht.

Der rechte Gebrauch von ihm und ihn, mir und mich ist in Berlin weniger von Nöten, subtile Kennerschaft des U-Bahnnetzes indes um so mehr lebensnotwendig. So sprudelt sie quirlig und hüpfend im erzählerischen Rahmen eines fiktiven Bühnenstücks durch den Berliner Nahverkehr und ihre komisch-verzweifelten Bühnengestalten, denen sie weiße Figuren mit fantasievollem Innenleben zuordnet. Wer weiß, wem sie in der Mannheimer Linie 3 von Sandhofen nach Oppau begegnet wäre.