Das stille Brüllen der Beine
Mareike Buchmann / Residenz-Showing
Samstag 7.November 2026
19:30
- 20:30
Uhr

/Residenz-Showing / Sprache: deutsch / zeitraumexit @ T6/18 /
„Wir vibrieren, wir beben, wir zetern! Beweg uns! Beweg uns!“ Brüllen meine Beine. Ich liege da und lausche. Das Geschrei unter der Haut geht weiter. Ich stehe auf, gehe in die Küche, schneide einen Apfel klein und kaue. Innen wird es ruhiger.
Als Bewegungsforscherin und Performancekünstlerin entwickelt Mareike Buchmann in ihrer Residenz ein experimentelles Labor zwischen Somatik, Fiktion und Medizin. Ausgangspunkt ist ihre chronische Erkrankung, das Restless-Leg-Syndrom (RLS), das sich durch nächtlichen Bewegungsdrang, Kribbeln, Ziehen oder Vibrieren in den Beinen äußert und den Schlaf fragmentiert. Ausgehend vom eigenen Körper und in geteilter Recherche untersucht sie das RLS als eigensinnige Sprache des Körpers und sucht nach einer Somalinguistik: eine spekulative Wissenschaft, die körperliche Empfindungen als artikulierbares Material begreift.
Was, wenn die Nerven hochsensible Resonanzorgane sind? Wenn die unruhigen Beine nach anderen Formen von Zeit, Miteinander und Handlungen brüllen? Das Residenzshowing gibt Einblick in die künstlerische Recherche zwischen Körper, Krankheit und Imagination. Die Somalinguistik wird dabei zur potentiellen Praxis, um Erfahrungen von Unruhe und Erschöpfung, das Wissen und den Eigensinn des Körpers performativ zum Ausdruck zu bringen.
In ihrer Arbeit interessiert sich Mareike Buchmann für das poetische Potential des Körpers: seine empfindsamen, imaginativen und eigensinnigen Ausdrucksweisen. Um die Vielfalt verkörperter Erfahrungen in Material zu überführen, arbeitet sie mit Performance, Tanz, Text, Zeichnung, Sound und Objekten: jedes Medium unterhält eine eigene Beziehung zum Körper und bringt ihn auf unterschiedliche Weise zur Erscheinung.
Ausgehend vom eigenen Körpererleben entwickeln sie ihre Arbeiten aus spezifischen Recherchen, Versuchsanordnungen und Improvisationen. Besonders interessieren sie jene Erfahrungen, in denen Körper fragil, widerständig und mehrdeutig erscheint. Wie in Träumen, Erinnerungen oder Krankheiten. Das Persönliche zeigt sich darin immer verbunden mit anderen Körpern und ihren jeweiligen Umwelten und Beziehungen. Daraus entstehen Performances, Lectures und Happenings als visuelle, akustische und materielle Ensembles, die autobiografisches, kollektives und spekulatives Körperwissen verbinden.
Danbi Jeung ist Komponistin und Klangkünstlerin aus Seoul, Südkorea. Ihre Werke erforschen die Verbindungen zwischen Klang, Theater und Text und integrieren neue szenische Phänomene. Ihre Arbeiten wurden in vielen Städten aufgeführt und ausgestellt, darunter Kooperationen mit Ensemble Surplus, Musik Fabrik, dem Staatstheater Karlsruhe und anderen. Jeung hat mehrere renommierte Stipendien und Residenzen erhalten, darunter die De la Motte Musikstiftung Funding, das Konzeptionsförderung des Kulturamts Wiesbaden, Musikfonds und die Worpswede Residency. Ihre Werke umfassen sowohl instrumentale Kompositionen als auch Multimedia-Arbeiten, die elektronische Musik, Performance, Video und Klanginstallationen beinhalten.
Foto: Mareike Buchmann
Tickets
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